Sonntag, 8. September 2013

Dirt-Road Abenteuer

Kia Ora,

Früh im Bett, bedeutet auch früh wach (zumindest gilt diese Regel und ihr Gegenstück in der Mongolei wieder). Da ich aber eh große Pläne für meinen ersten Samstag in Ulaanbaatar hatte, war das sogar eher erwünscht. Ich hab mich schnell fertig gemacht und mutig, wie ich bin, auf eine Jacke verzichtet. Immerhin sollten es laut Wetterbericht 25 Grad werden :) :) :) Also fast schon warm.

Um kurz nach 9 Uhr bin ich dann von Sete (ich weiß endlich den Namen von dem einem Typen!) und zwei anderen Volunteers abgeholt worden: Joe, 50 Jahre alt, ein Arzt aus Irland und ein 23-jähriger Schwede, an dessen Namen ich mich beim besten Willen erinnern kann...

Zusammen sind wir in dem noch silbernen Auto von Sete aus der Stadt raus gefahren, ich hab also zum ersten Mal Ulaanbaatar verlassen :) Aber erst einmal standen wir im Stau. War ja uach zu erwarten! Dan mussten wir noch beim Supermarkt halten, um wie es schien Vorräte für den Winter zu kaufen, tatsächlich haben wir aber nur für unseren Lunch eingekauft. Wahnsinnig!

Nach anderthalb Stunden in wahnsinniger Fahrt aus der Stadt raus, vorbei an Ger-Siedlungen am Rand der Stadt und schließlich durch die weiten, grünen Flächen die erst an sanften Hügel enden, immer eine Staubwolke hinter uns herziehend (zwischenzeitlich sind wir auch ein bisschen Dirt-Road gefahren, weil die Straße noch nicht fertig gebaut war), waren wir schließlich in Terelj am Eingang zum Gorkhi-Terelj Nationalpark.

Wir haben den Tuul- und Terelj-Fluss mit seinen in allen Farben-leuchtenden Bäumen überquert und sind weiter in den Nationalpark vorgedrungen, bis zu dem Turtle-Felsen. Nach einem kleinen Fotostop, sind wir auf der anderen Seite des riesigen Granitfelsens auf den Nacken gestiegen. Erst ging es nur ein bisschen Geröll hoch, dann haben wir uns an der steilen Seite des warmen Felsen entlang gehangelt und schließlich mussten wir uns durch ein winziges Loch quetschen (gut, wenn man klein ist :D) um einen Sonnenfleck direkt im Nacken zu finden. Die Aussicht war atemberaubend, es war warm und windgeschützt - ein kleines Paradies auf einer Schildkröte :D







Nachdem wir uns durch das Loch wieder hoch gequetscht hatten und den Abstieg geschafft hatten, hat Sete und alle auf Pferde verfrachtet. Ich saß dann also in einem Holzsattel mit staubiger Decke auf einem braunen Pferd, mit schwarzer kurzer Mähne und war etwas ratlos. Das einzige Mädchen in der Gruppe und wahrscheinlich für wesentlich jünger gehalten, als ich bin, wurde ich dann auch nicht mir selbst überlassen. Während die Jungs damit kämpften ihre Pferdchen vom Fressen und Abhanden-Kommen abzuhalten, wurde mein Pferd friedlich von dem Guide an einer langen Leine mitgezogen. Ich saß also schaukelnd, zufriedend und den riesigen Adler beobachten auf einem Pferderücken. Wir sind eine Stunde lang tiefer in das Tal hineingeritten, durch die sanften, grünen Ebenen und wieder zurück. Zwischen drin ist Sete in seinem Auto aufgetaucht und wollte uns überreden schneller zu reiten, was aber vehement von uns den Pferden selbst abgelehnt wurde :D

Nach einer Stunde, ein paar Fotos kam dann die Erkenntnis: Zum einem sind Holzsattel fürchterlich unbequem und mein Hintern tut immer noch wahnsinnig weh. Zum anderen bin ich höchst allergisch gegen mongolische und staubige Pferde. Ich hab also den Rest des Tages heulend und schniefend verbracht, da sich ein komplettes Pferd in meiner Hose festgesetzt hatte....



Mit dem Auto sind wir dann weg von der Stein-Schildkröte und den Pferdchen einen kaum erkennbaren Staubpfad entlang gebrettert, wobei die Jungs und vor allem Sete sich (vermutlich ein imaginäres) ein Rennen mit einem weißen Geländewagen geliefert haben. Wir wurden also ordentlich durchgeschüttelt, konnten aber auch die unberührten Berge rund ums herum bewundern. Wir haben dann eine kleine Runde durch die Auffahrt von dem teuersten Hotel in der Mongolei mitten im Nationalpark gedreht und sind zurück zum Fluss, um zu Picknicken.

Auf dem Weg dahin sind uns aber mehrer Frauen am Straßenrand aufgefallen, die nicht wie man als Europäer zu erst denkt, sich selbst verkaufen wollten, sondern Mongolisches Barbecue angeboten haben. Sehr, sehr, sehr skeptisch und nicht gewillt einen fürchterlichen Magen-Darm-Infekt zu riskieren, war ich eher abgeneigt....ganz im Gegensatz zu Sete, der war absolut begeistert und hat schließlich bei der "Köchin" seiner Wahl angehalten und wollte für uns etwas Fleisch kaufen. Das war aber noch nicht fertig, also haben wir 15 Minuten am Straßenrand, im Staub der vorbeirasenden Geeps auf das Schaf in dem Eisentrog gewartet....






Schließlich haben wir das Schaf in der blauen Tüte eingepackt und sind zu dem Fluss gefahren. Nach einiger Zeit, in der der importierte Kleinwagen über die Wiese hüpfte, haben wir eine schöne Stelle direkt in einer Biege des Flusses gefunden, uns auf das Gras gesetzt und unsere Vorräte ausgepackt. Trotz Protest wurden mir schließlich zwei Sheeprips in die Hand gedrückt, die ich sehr saghaft probiert habe. Mal davon abgesehen, dass ich das erste Mal in meinem Leben Fleisch vom Straßenrand gegessen habe, war es auch das erste Mal Schaf für mich. Es war ziemlich fettig, erstaunlich zart und vom Geschmack recht intensiv. (Kleine Zwischenbemerkung....das ist jetzt 20 Stunden her und ich lebe noch!)

Ich hab dann die restlichen Knochen und Fleischfetzen den Jungs überlassen und mich statdessen an die Herausforderung gemacht, mit einem Schweizertaschenmesser ein Sandwich zu zubereiten. Und ich würde sagen, ich hab einen sehr guten Job hingelegt. Ein Sandwich mit Käse, Tomate, Wurst und Mayonaise. Als Nachtisch gab es ein paar süße Weintrauben und dann haben wir uns wieder in das Auto gequetscht.
Nächstes Ziel das Chingghis Khaan Monument. Auf der Straße nach Baganuur sieht man schon von weitem, dass im Sonnenlicht gleißend-hell strahlenden Edelstahl-Monument. Auf einem kleinen Hügel, sitzt der 30-Meter hohe Feldheer in Silber auf seinem Ross nach Osten blickend. Für 7000 Tugrik, kann man das Gebäude unter seinen Füßen betreten, den größen mongolischen Stiefel der Welt bewundern, ein Museum zu der Kriegskunst der Mongolen besuchen und Souvenires kaufen. Wenn man das alles erledigt hat, hat man die Wahl entweder man nimmt den modernen Aufzug zu der Aussichts-Plattform auf dem Kopf von Chingghis Khaans Pferd, oder man nimmt die Treppe. Wir haben die Treppe genommen. Nach 10 Minuten standen wir dann auch im hellen Sonnenlicht, eingequetscht zwischen den vielen Touristen und haben über die weite Ebene geguckt. Nach einem verzweifelten Versuch ein Bild zu machen....sind wir wieder hinab gestiegen, haben Sete bei den wilden Hunden geholt (er hat unsere Barbecue-Reste verfüttert) und sind den langen Weg zurück nach Ulaanbaatar angetreten.




Die Fahrt war holprig-rasend oder stockend-langsam....je nach Verkehrs- und Straßenlage. Schließlich haben wir es aber zurück geschafft. Und ich bin totmüde nach einem kurzen Abendessen ins Bett gegangen. Entweder hat die Allergie mich fertig gemacht oder ich bekomm eine Erkältung :/

Ach ja und ich hab noch versucht, die Pferdehaare aus meiner Hose zu bekommen....MÜHSAM! :D

Und das war mein erster Tag außerhalb der Stadt :) Und morgen bin ich schon eine Woche hier!

See ya :)

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