Sonntag, 22. September 2013

Tauben und Mönche

Kia Ora,

es ist wieder Wochenende :) Das heißt keine Schüler (zumindest war ich davon heute Morgen ausgegangen...)

Ich bin halbwegs früh aufgestanden, hab Zitronentee getrunken und Schokolade gegessen und hab mich dann hinaus in den strahlenden Sonnenschein begeben. Pünktlich, wie es die kleine Deutsche in mir sehr mag, war ich am Treffpunkt und hab dann erst einmal eine halbe Stunde auf Undak gewartet, die in dem zu erwartenen Stau feststeckte. In der Zwischenzeit ist mein kleiner Hintern an der Metallbank festgefroren und eine Gruppe mongolischer Gothiks, gefühlte 100 Pfadfinder und  zwei hochzeitlich geschmückte Limousinen vorbei gekommen.

Letztlich haben Undak und ich uns aber gefunden und den nächsten Bus in den Westen der Stadt genommen. Erstes Ziel war das Gandan Tegchilen Kloster. Zu erst sind wir aber Kreuzundquer durch die Gassen zwischen den Holzzäunen der kleinen Hütten am Stadtrand gelaufen, haben bei einer Frau Reis gekauft und standen dann mitten vor dem Migjed Janraising Tempel. Unglaublich viele Tauben, die Vögel der Götter, flogen über den Platz und wurden von Brautpaaren, einem Kind im Rollstuhl, älteren Leuten in traditionellen Trachten, zwei schicken Businessfrauen und vielen mehr gefüttert. Einem Mann haben die Tauben sogar aus der Hand gefressen. Für ein bisschen Glück und göttlichen Beistand haben Undak und ich dann auch unseren Reis an die Tauben verfüttert und sind in den Tempel hinein. (Nachdem wir uns an den Brautpaaren vorbei gedrückt hatten, es war nämlich der perfekte Tag zum Heiraten für die mongolischen Buddhisten wegen irgendetwas mit dem Mond, dass ich nicht ganz verstanden habe)

Im Inneren darf man eigentlich nicht fotografieren, aber Undak hat mich überredet ein paar Bilder mit dem Handy zu machen, weil nämlich keine Security da war :D Und das im Angesicht all der kleinen Götterstatuen und der fast 27 Meter hohen Janraisig Statue :D

Es war beeindruckend. In dem dunkeln Gebäude haben nur die kleinen, flackernden Ölflammen Licht gebracht und alles in einen urtümlichen Geruch gehült. Rund um die goldenen Statue waren lange Gestell mit goldenen Rollen aufgestellt. Wenn man eine dieser Rollen dreht, ist es so als hätte man eins der Ghost Books gelesen. Undak hat dann auch erst einmal eine Menge "gelesen".

Übrigens eine interessante Nebensache, als Mongole muss man keinen Eintritt bezahlen. Fand ich persönlich sehr fair, weil für die Einheimischen ist das ein bedeutender Ort ihrer Religion und für mich ein fernöstliches Abenteuer.

Im Anschluss sind wir noch ein bisschen durch das Kloster gezogen und haben den Mönchen dabei zu gesehen oder besser gesagt zugehört, wie sie die Ghost Books auswendig lernen. Danach sind wir noch durch die religiösen Shops um das Kloster herum gezogen und hatten eine erstaunliche Diskussion über das Hakenkreuz-Symbol. Das verkehrtherum (also ihr wisst schon, mit den Zacken in die andere Richtung) so eine positive und allgegenwärte Rolle in deren Religion spielt und bei mir einfach jedes Mal Beklemme auslöst. Interessanter Weise wusste Undak nicht einmal welche Rolle das Symbol in Deutschland wärhend dem zweiten Weltkrieg gespielt hat (obwohl sie ansonsten einen sehr guten Überblick hat). Es hat sie glaub ich halbwegs stark schockiert und ich hatte im Nachhinein irgendwie ein schlechtes Gewissen :/

Von dem Kloster aus sind wir durch die kleinen Gassen zwischen den Gers und Holzhütte zu dem winzigen und sehr altem Geser Tempel gelaufen und von da aus dann zurück ins Stadtinnere, weil Undak mir noch ihre Universität zeigen wollte :D

Bevor wir aber durch die Uni-Gebäude der Economics-Studenten gezogen sind, hat sie mir noch dem Dashchoylin Tempel gezeigt. Einen großer Tempel, dessen Gebäude wie traditionelle Gers gebaut sind  und sehr sehr fabenfroh waren :)

Langsam wurde es kälter und nachdem wir Noni und Anu noch getroffen hatten, sind wir nur noch kurz durch die Uni gezogen und haben uns dann getrennt. Die Mädels mussten nämlich noch eine Englisch-Präsentation vorbereiten.

Ich bin dann alleine Richtung Sukhbaatar Square gelaufen, wurde von einem Typen angequatscht, ob ich nicht in seiner Sprachschule unterrichten wollen würde, habe mir einen heißen Kakao gegönnt, meine Postkarten weg gebracht und mich auf den Heimweg gemacht.

Nichts ahnend bin ich an meiner Bushaltestelle ausgestiegen und los gelaufen, als ich plötzlich jemand meinen Namen rufen gehört habe (schon mal ziemlich ungewöhnlich, in einer Stadt in der ich vielleicht 10 Leute kenne). Zu meinem Glück saßen Tobias und das Englisch-Genie auf einer Bank vor dem einzigen Supermarkt in meiner Nähe, sodass ich wieder Mal ein spannendes Phänomen beobachten konnte. Alleine sind pubertäre Teenager viel, viel besser zu ertragen, als in einer Gruppe (selbst, wenn die nur aus zwei Leuten besteht).

Ich hab mich dann aber schnell aus dem Staub gemacht. Zum einem weil es kalt war, zum anderen weil ich einfach keine Lust hatte :D Und hab mir dann zu Hause mit einer Tasse Zitronentee alle Fotos von heute angesehen. Und das ist dabei heraus gekommen:








(Sorry, konnte irgendwie nicht mehr hochlade)

See ya :)

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