Montag, 7. Oktober 2013

Pferderennen im eisigen Wind

Kia Ora,

wie ist mir das Aufstehen heute Morgen schwer gefallen. Mit leichtem Muskelkater und einem Bärenhunger habe ich mich dann aber doch aufgerafft, mich fertig gemacht und bin dann Richtung State Department Store losgezogen.

Tagesprogramm heute: Treffen mit Sete und ein paar Anderen und dann raus aus der Stadt!

Erstes Ziel war dann das Kloster Manzushir oder besser gesagt, das was von dem Kloster übrig geblieben ist. Da, wie viele andere Kloster, Manzushir der Kulturrevolution in den 30iger Jahren zum Opfer gefallen ist. Nach einstündiger Fahrt durch die sanften, leicht schneebedeckten Hügel Richtung Süden standen wir dann schließlich in dem Tal von Manzushir. Demselben Tal aus dem wir am Abend zuvor beinahe nicht weg gekommen wären :D :D

Bei Tageslicht und mit dem Wissen, dass es einen Ausweg gibt, hat mir das ganze aber schon viel besser gefallen und trotz eisiger 0 Grad und einem frostigen Wind haben Tobias, Sete, ich und Birgit, eine Journalismus-Studentin aus Estland, die momentan in Kananda lebt, uns auf den Weg gemacht und die übriggebliebenen Ruinen erkundet. Zwischen den großen Steinbrocken, die überall in dem Tal verstreut lagen, ließ sich von der einst großen Anlage nicht mehr viel erahnen und vollständig ist nur ein Gebäude erhalten geblieben. Dennoch war es absolut einen zweiten Besuch wert. Ein traumhaft schöner Platz :)

Mit dem warmen Auto sind wir dann zurück zum Aimagzentrum, Zuunmod, gefahren, auf der Suche nach einem Lokal fürs Mittagessen. Das hat sich etwas schwierig gestaltet, weil einfach nichts zu finden war :D Birgit und ich hatten eigentlich schon aufgegeben, der Hunger der Jungs hat aber schließlich gesiegt und uns zu einem kleinen Laden geführt, in dem wir alle scließlich Huushuur gegessen haben (Die frittierten Teigtaschen mit Fleisch). Nach 15 Minuten in dem Lokal hat es uns zurück raus auf die Straße gebtrieben. Sete hat uns dann im Zickzack durch die Stadt von einem Kiosk zum nächsten geführt, weil Sete einfach nichts anderes als Pepsie trinken kann :D :D Schließlich haben wir aber auch den einzigen Laden in der kleinen Stadt gefunden, der Pepsie verkauft und eingedeckt mit Getränken haben wir uns wieder zum Auto begeben.

Zwei Stunden lang sind wir von Zuunmod bis in den Westen von Ulaanbaatar gefahren. Der Verkehr war wie immer katastrophal und hat mir als Beifahrerin selbst den letzten Nerv geraubt. Kein Stau in Europa kann so schlimm werden, wie einer in Ulaanbaatar. Nach endlosen Wiederholungen von russischen Popsongs sind wir aber angekommen.

Und zwar bei einem weiten, von nichts außer den Bergen begrenztem Feld westlich der Stadt und bei den Wettkämpfen der Horsemen des Aimags. Viel konnte ich ehrlich gesagt nicht sehen, weil wir trotz Sonnenbrille jede Menge Staub in die Augen geweht wurde und weil ich mit meinen 1,60 einfach zu klein bin, für die sehr groß gewachsenen, mongolischen Männer, die laut gröllend in unglaublichen Massen im eisigen Wind den Wettkämpfen zugesehen haben. Leider ist auch mein Kameraakku gestorben, aber ich hoffe, dass ich noch ein paar Bilder von Tobias bekomme!

Das was ich sehen konnte war ein Spektakel. In den traditionellen, langen, bunten Mänteln sind einige Männer eine Herde Pferde vor sich hertreibend in ein etwa Fußballfeld-große Fläche eingeritten, auf der ein Mann stand und versucht hat ein Pferd aus der Menge mit einem Seil zu fangen. Wenn er ein Pferd erwischte, musste er es nur noch zum stehen bringen. Und nachdem, was ich gesehen habe, ist das kein Problem für mongolische Männer! In einer Staubwolke sind oft Mann und Pferd zusammen zu Boden gegangen. Und dann hat eine neue Runde mit einer neuen Pferdeherde und einem neuen Mann begonnen. Die Wettkämpfe werden noch durchgeführt, wie sie seit je her durchgeführt worden. An Regeln und Methoden hat sich nichts geändert. In der Mongolei lebt die Geschichte noch.

Lange haben wir es aber nicht durchgehalten. Selbst der mongolische Herbst ist für mich etwas zu streng. Und mit erfrorenen Zähnen, in Staub bedeckt und zitternd sind wir zum Auto und in die Stadt zurück gekehrt. Natürlich erst nach einigen Staus, die mich als Beifahrerin zum Fluchen gebracht haben. Ganz ehrlich, dieses Land braucht Fahrstunden :D :D

Nachdem Birgit und ich uns noch mit Schokolade eingedeckt haben, sind wir zusammen zu Fuß nach Hause gelaufen. Wir hatten den selben Weg und den selben Studiengang hinter uns. Es gab also viel zu quatschen :)

Zuhause angekommen, hab ich geduscht, geskypet (natürlich war das Internet zeitweilig wieder weg) und gegessen.

Das war auch schon mein letztes Wochenende in der Mongolei. Es ist unfassbar. Nächsten Sonntag bin ich in Indien.

Aber jetzt wartet erst einmal eine weitere Schulwoche auf mich :)

See ya :)

















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