Kia Ora,
mein Samstag war recht ereignisreich, weshalb dieser Post auch verspätet kommt.
Samstag war Welt-Lehrer-Tag und als Aushilfsleher in der Mongolei (und zuvor in Bali) hatte ich irgendwie eine Berechtigung an den Festlichkeiten in Ulaanbaatar teilzunehmen. Das hieß für mich erst einmal früh aufstehen an einem Samstag und dann auf dem riesigen Sukhbaartar Square zwischen hunderten von mongolischen Lehrern, Tobias und die beiden chinesischen Volunteere finden. Alleine ließ sich das auch nicht bewerkstelligen, wobei ich auch ziemlich abgelenkt wurde von den Neonfarben und der "motivierenden" Musik von der Bühne, sodass ich unsere Direktorin und die Chinesinnen erst gefunden habe, nachdem ich Tobias gefunden hatte. Von unserer Direktorin haben wir alle eine grüne Kappe auf den Kopf gesetzt und ein passendes Halstuch umgebunden bekommen und standen dann erst einmal im eisigen Wind auf dem Platz vor einer Bühne auf de irgendwelche Leute irgendwas gesagt haben, worauf alle Zuschauer hin mit Luftballons wild gewedelt haben.
Zusammen mit einer ehemaligen, mongolischen Chinesisch-Lehrerin, die kaum Englisch gesprochen hat, haben wir uns dann plötzlich wie die Wahnsinnigen Richtung Busse gestürzt und sind in dem völligen Chaos rund um die kleinen und großen Busse hin und her geschoben wurden, wobei unsere Direktorin uns irgendwas hektisch zu gerufen hat. Letztlich saßen wir aber in einem Bus, anscheinend auch dem richtigen Bus und wurden genötigt ein Bonbon zu essen. Es hat sich dann bei der Fahrt aus der Stadt auch heraus gestellt warum....
Alle die ein Erdbeerbonbonpapier hatten, mussten sich vorne links hin setzen, alle die ein Zitronenbonbonpapier hatten vorne rechts und so weiter und so fort. Bis wir das verstanden hatten, war aber eine Weile vergangen und nachdem auch allen Anwesenden im Bus klar geworden war, dass wir kein Wort Mongolisch verstehen, wurden wir auch weitestgehend unbehelligt gelasssen auf der einstündigen Fahrt. Meine gedankenversunkene Fahrt wurde von den samtig-braunen Hügeln außerhalb der Stadt, dem strahlend-blauen Himmel und den mit Inbrust gesungenen mongolischen Liedern der Lehrer begleitet. Tobias war währeddessen tief am Schlafen :D
Irgendwann ist der Bus von der Straße Richtung Osten abgebogen und Offroad weiter Richtung Berge und Hügel. Immer weiter sind wir in ein Tal hinein gefahren, vorbei an schamanischen Konstruktionen und durch die grellen, gelb-orangen Bäume bis hin zu einem kleinen umzäunten Parkplatz.Die chinesisch-sprachigen Mädels mussten erst einmal auf Toilette, weshalb wir einen kleinen Hügel hoch sind und an ein paar sehr wackeligen Holzhütten gewartet haben. Im Anschluss ging es den Hügel wieder runter, bloß mussten wir diesmal unter einem Zaun herkriechen. Diese erste Herausforderung des Tages habe ich mehr oder weniger elegant bewältigt.
Zusammen mit den anderen Lehrern sind wir dann einem kleinen Weg und Tal folgenden los gelaufen. Nach zehn Minuten wurden uns noch Handschuhe und ein Müllsack in die Hand gedrückt - der Umwelt zu liebe! Da wir aber so weit am Ende der Schlange aus wanderlustigen Lehrer waren, hat keiner von uns auch nur ein Mal etwas aufgehoben...
Bei strahlendem Sonnenschein, warmen 20 Grad sind wir dann langsam aber stetig den Berg hinauf gestiegen. Erst durch farbenfrohe Bäume über staubigen Untergrund (dieser Staub hat sich überall festgesetzt, in meinen Lungen, Ohren, in der Nase und durch meine Schuhe und Socken durch auf meinen Füßen!), dann durch einen dunklen Nadelwald mit steinigem Boden über ein weites, offenens Feld mit wehenden Gräsern und schließlich nach einer Kletterpartie über kleine und große Granitfelsen die heiligen Stätten auf dem 2256m hohen Gipfel des Tsetsee Gun. (übrigens habe ich erst am Sonntag herausgefunden, welchen Berg ich da hochgeluafen bin :D)
Der Weg rauf war anstrengend, aber nicht beschwerlich - zumindest nicht für mich. Eine der Chinesinnen war gar nicht begeistert von der umfangreichen Wanderung und offensichtlich sehr unsportlich, hatte sie sehr mit Atemnot und später mit Rückenschmerzen zu kämpfen. Das letzte Stück vor dem Gipfel war sie so erledigt, dass sie mehrere Pausen einlegen musste. Dabei haben wir beide (ich konnte sie doch nicht einfach alleine stehen lassen!) leider die anderen verloren...Mit viel motivierendem Zugerede und ordentlich Hilfe auf meiner Seite - auch kleine Menschen können einen gute Stütze sein - haben wir es schließlich in Gipfelnähe geschafft, wobei die Arme vor Erschöpfung zwischen drin sogar weinen musste :( Ich hab sie dann völlig erschöpft auf einem Stein in der Sonne abgesetzt und mich in die Lehrermenge auf dem Gipfel zwischen den blauen Fahnen der Heiligen Stätte und den großen Steinbrocken gestützt, um die anderen wiederzufinden.
Das hat auch zum Glück nach einigen Minuten geklappt, denn von dem Gipfel führten drei Wege weiter und ich hatte absolut keine Ahnung, welchen wir nehmen mussten. Nach ein paar Fotos und einer längeren Lunch-Pause hat auch die erschöpfte Chinesin sich weiter getraut und zusammen sind wir ein sehr steiles Stück schwarzer Erde runter gerutscht und dann weiter über ein offenens Feld mit kleinen Flüssen und vielen schlammigen Stellen gelaufen. Dem offenen Feld folgte ein dichter Wald mit Kiefern und weichem Waldboden. Immer weiter und das Ziel schon ahnend sind wir zügig den Berg runter. Alle paar Hundert Meter war ein Baum mit einer Nummer gekennzeichnet und voller Hoffnung war ich der Meinung, dass wir bei Baum 0 am Ziel wären.
Trotz unserem gestiegenem Tempo und der Verlockungen des Ziels hat der Abstieg dann aber doch noch einmal drei Stunden gedauert, bevor wir endlich aus dem Wald in ein offenens, weites Tal mit einzelnen Felsbrocken, ein paar Gers und ein paar Bussen hinausgetreten sind. Im Hintergrund verschwand schon langsam die Sonne hinter den umliegenden Gipfeln und gut gelaunt habe ich das schwindende Licht noch für ein paar Fotos ausgenutzt. Die Laune wurde aber etwas angeschlagen, als mir eine der Chinesinnen mit sehr minimalistischen Englisch erklärte, dass wir wohl im falschen Tal gelandet wären und das wir dementsprechend nicht wüssten, wie wir zurück zur Stadt kommen sollten!
Etwas verzweifelt und absolut ohne Plan, was gerade los war, da meine Chinesisch-Kenntnisse gleich Null sind, bin ich dann einfach den anderen hinterher getrottet. Mehr blieb mir ja auch nicht übrig. Nach einigen längeren Diskussionen mit verschiedenen Leuten hat die mongolische Chinesisch-Lehrerin auf einen Bus gezeigt, in den wir eingestiegen sind und auf dem Boden sitzend auf die Abfahrt gewartet haben. Ein netter Typ hat uns übrigens noch ein paar Müllsäcke zum draufsetzen angeboten :D Eine Stunde später ist der Bus mit uns losgefahren und ist 90 Minuten lang durch die Dunkelheit getuckelt. Zwischen drin sind immer wieder Leute ausgestiegen, bis wir schließlich mit den verbliebenen fünf Personen an einer Tankstelle herausgeworfen wurden.
So standen wir also um 20.30 Uhr im Stockdunkeln, irgendwo in den äußersten der äußeren Suburbs oder Gersiedlungen von Ulaanbaatar, keiner, der sich mit mir verständigen konnte, wusste wo wir waren und wie es weiter gehen würde...Ich war gedanklich schon meine Aikido-Stunden am Durchgehen, nur falls irgendwer auf Dumme Gedanken kommen würde, als plötzlich ein Auto vor uns anhielt und der Ehemann der Schuldirektorin am Steuer saß. Die mongolische Chinesisch-Lehrerin hatte wohl unsere Direktorin angerufen und um Hilfe gebeten :) Zu siebt haben wir uns dann in das Auto gequetscht (eine weiter Frau ist noch mitgefahren, wieso weiß ich nicht) und sind Richtung Stadtzentrum gefahren. Der Ehemann von der Schuldirektorin hat jeden von uns sicher nach Hause gebracht, sodass ich letztlich um kurz vor 22 Uhr sicher, aber müde und verstaubt, bei meiner Gastfamilie angekommen bin. (Meine Gastmutter hatte sich übrigens ziemliche Sorgen gemacht und mir wiederholt SMS geschrieben, wo ich bin, ob es mir gut ginge und so weiter - super süß!)
Ich hab dann nur noch geduscht, zwei Ibu genommen und bin tot ins Bett gefallen. Immerhin musste ich Samstag auch wieder früh raus...
See ya :)
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