Sonntag, 13. Oktober 2013

Quer durch Asien

Kia Ora,

ich kann verkünden: Ich hab es geschafft :) Nach meinem letzten Post vom Flughafen in Ulaanbaata, bin ich ganz entspannt über das einzige internationale Gate in den Flieger gestiegen und bin locker-flockig nach Beijing geflogen. Ich hatte einen Platz am Gang, es gab fluffige Weckchen mit Schokofüllung und nach unspektakulären zwei einhalb Stunde war ich in China und bin die ewig-langen Fluren mit dem schimmernden Boden entlang gelaufen.

Ich hab mich bei der Schlange für "International Transfer" angestellt, einen kleinen roten Stempel bekommen und bei der Sicherheitskontrolle meines Handgepäckes hieß es dann, da ist ein Messer in meinem Rucksack! Vollkommen überzeugt, dass kein Messer in meinem Rucksack war (immerhin war es auch schon die zweite Sicherheitskontrolle an diesem Tag), habe ich wirklich alles vor den Augen des Sicherheitsbeamten ausgeräumt und nachdem dann alles einzeln noch zwei Mal durch das Scanner-Ding gefahren ist und überraschenderweise doch kein Messer dabei war, durfte ich meiner Wege ziehen. Die ganze Aktion ging auch auf jeden Fall wesentlich entspannter über die Bühne, als die Wasserflaschen-Diskussion an der zweiten Scanner-Station. Ich war vollkommen überzeugt und entspannt, der Beamte war auch entspannt - Ruhe bewahren funktioniert eben einfach :D Eine gute Sache hatte die Aktion, ich musste im Anschluss immerhin nur noch  fünf einhalb Stunden auf meinen Anschlussflieger warten.

Da China ja, wie ich erst vor kurzen im Englisch-Unterricht mit meiner 11ten Klasse in der Mongolei aufgefrischt habe, das Internet gerne schon Mal zensiert und es eh relativ kompliziert ist, ein Wi-Fi Passwort am Flughafen von Beijing zu bekommen (Reisepass scannen und so weiter), hatte ich nicht mal eine Verbindung zur Welt während ich warten musste :( Facebook, Instagram, Twitter ging wie erwartet nicht, war auch keine große Überraschung, aber ich konnte mich nicht einmal bei meiner Web.de Mail anmelden oder bei Google-Mail....ich habe also ein bisschen "trocken" Mails beantwortet, meinen Computer aufgeladen und bin dann durch die hochglanz DutyFree-Shops gezogen und habe den reichen und aufgestylten Menschen beim Einkaufen zugesehen - ich weiß jetzt übrigens auch, woher Oma ihre gelbe, Papier-Tragetasche mit dem roten Drachen her hatte :D

Zur Feier des Tages habe ich mir bei Pizza Hut eine Pepperoni-Pizza gegönnt und die arme Kellnerin in dem Kinder-Halloween-Kostüm bemitleidet. Nach drei sehr, sehr leckeren selbstgemachten Zitronen-Limonaden war es dann auch irgendwie schon Zeit zum Gate zu gehen. Die letzte Wartezeit habe ich mit mir im Gespräch mit einem kanadischen Ehepaar verkürzt und mit eine humanistischen Studie über indisches Schlafverhalten an Flughäfen :D

Im zweiten Flugzeug des Tages saß ich am Fenster hinter einer netten Amerikanerin und Deutschen und neben dem wohl größten Inder aller Zeiten. Dirk Nowitzki (wird der so geschrieben?) wäre winzig neben meinem Sitznachbar gewesen. Trotz einschüchternder Größe war mein Sitznachbar aber sehr nett und hat sogar mal eine Zeit lang in Deutschland gelebt - immerhin lang genug um noch die Zahlen bis 20 auf Deutsch zu können und die Worte "Kartoffel" und "Bier". Das Abendessen im Flugzeug hab ich nicht angerührt, mein Magen schien diese Idee auch ziemlich gut zu finden und das Ausfüllen des Einreise-Zettels kann ich mittlerweile im Schlaf. Im Grunde will jedes Land eh immer nur dasselbe wissen :D Nach diesem amüsanten Zeitvertreib habe ich sechs Stunden lang versucht eine Position zu finden, in der ich Schlafen kann und bin natürlich bei dieser Mission grandios gescheitert.

Eigentlich ist die Zeit dann, obwohl schlaflos, ziemlich schnell vorbei gegangen - es waren ja auch nur 7 Stunden, alles unter 10 Stunden ist ertragbar :D Und in Delhi angekommen habe ich mich an die Deutsche und Amerikanerin dran gehängt, die hatten nämlich genauso wenig Ahnung, wie ich :D Netterweise hatte man mir in der Mongolei nämlich nur zwei Flugtickets ausgestellt und mir mitgeteilt, dass ich mein Gepäck in Delhi einsammeln müsste und obwohl ihr alle drei unterschiedliche Ziele hatten, so hatten wir doch alle das Flugticket/Gepäck-Problem. Die Visa-Kontrolle war eher problem- und lieblos, aber ich hab einen weiteren hübschen Stempel bekommen. Die Amerikanerin ist schon einmal losgeflitzt, um ihren Anschluss zu bekommen und ich hab mich gemütlich mit der Deutschen auf die Suche nach unserem Gepäck gemacht - immerhin mussten wir beiden noch knapp 5 Stunden überbrücken. Erstaunlich schnell ist dann auch mein Rucksack auf dem Gepäckband aufgetaucht. Leider hat er unterwegs von der Mongolei nach Indien einiges abbekommen und brauch jetzt dringend eine Wäsche, wenn ich zurück in Deutschland bin!

Mit Gepäck mussten wir dann komplett durch den Customer Service und raus aus dem Flughafen und uns dann zu den regulären Check-In Schaltern begeben, die natürlich erst um 3 Uhr morgens geöffnet haben, also haben wir erst einmal ein bisschen gewartet. Und dann noch ein bisschen mehr in der Schlange vom Check-In gewartet, um im Anschluß im Terminal mit Fanta und Chips noch mehr zu warten. Leider auch kein Wi-Fi in Delhi (das muss echt nocht ausgebaut werden), aber immerhin habe ich einen Internet-Terminal von Vodafon gefunden und konnte kurz auf Facebook verkünden, dass es mir gut geht und die Reise voran geht.

Um 6:30 war dann endlich Boarsding für meinen letzten Flug und ich bin mit ganzen 20 Leuten ins Flugzeug gestiegen. Ich hatte eine Reihe für mich und einen kleinen, netten Jungen hinter mir sitzen, der mir gefühlte zweihundert Fragen gestellt hat und zwei Mal mein Haar gestreichelt hat. Eigentlich war der echt putzig, bloß viel zu anstrengend nach meiner Reiseroute :D

In Bangalore musste ich dann nicht mehr durch die Kontrollen, weil es nur ein Innerlandsflug war und stand also innerhalb von 15 Minuten draußen in der Wärme :) Leider konnte ich niemand mit entdecken, der ein Schild mit meinem Namen hochhält, also habe ich kurzerhand die Kontaktnummer in Indien angerufen. Eine sehr erleichterte Frau hat mir dann erzählt, dass sie mich schon in der Nacht erwartet hätten und ganz besorgt waren. Sie hat mir dann eine unfassbar komplizierte Adresse durch gegeben, mit der un gewechseltem Geld bin ich zu den Airport-Taxis und nach 50 Minuten fahrt durch das indische Chaos bin ich in meinem Hotel angekommen. Ich hab dann noch dem Taxifahrer ein sehr großzügiges Trinkgeld gegeben, weil ich irgendwo zwischen Ulaanbaatar und Bangalore mit den Wechselkursen durcheinander gekommen bin und hab eingecheckt. Mein Zimmer ist klein, hat grüne und blaue Wände und auf jeden Fall Renovierungsbedarf, aber es hat alles was ich brauche: ein Bett und Internet :) :)

Nachmittags ist noch ein nettes Mädel von Greenlion vorbei gekommen, ich hab keine Ahnung, wie ihr Name war, aber sie hat mir einiges zu Morgen erklärt und meinem Projekt in Madiekeri und den Rest meines ersten Tages in Indien habe ich selig vorm Computer und mit Nasenbluten verbracht :D

Um diesen sehr langen Post zusammen zu fassen: Es waren zwei lange Tage, aber es hat alles gut geklappt und ich bin sicher und gesund in Indien angekommen ;)

Ich hab euch lieb und meld mich sobald ich wieder Internet habe! (Wahrscheinlich erst übermorgen wieder...)

See ya :)

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